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Dienstag, 21. Oktober 2003

Suche nach Säugling im Müll

37-Jährige soll Baby nach der Geburt in Container geworfen haben - Polizei stoppt Verbrennungsanlage

Von Rüdiger Finke

Schrecklicher Verdacht gegen eine Mutter in Neukölln: Eine 37 Jahre alte Frau soll ihr Neugeborenes getötet und in eine Mülltonne geworfen haben. Mit einem Großaufgebot durchkämmte die Polizei gestern Abend die Müllverbrennungsanlage der Berliner Stadtreinigung in Britz. Auch Suchhunde waren an der Aktion beteiligt. Die Leiche des kleinen Kindes wurde zunächst aber nicht gefunden. Gegen 21.30 Uhr brach die Einsatzleitung die Suche ab, sie soll heute fortgesetzt werden.

Ein von der Polizei lediglich als "Hinweis aus der Bevölkerung" bezeichneter Tipp hatte die Ermittlungen gestern in den Nachmittagsstunden ins Rollen gebracht. Der Informant hatte behauptet, die 37-Jährige habe in der vergangenen Woche ein Kind geboren. Nun sei aber kein Baby da, die Mutter liefere jedoch keine "schlüssigen Angaben" darüber, wo das Neugeborene geblieben sei. In welcher Beziehung der Hinweisgeber zu der verdächtigten Frau steht, sagte die Polizei gestern nicht. Vermutlich handelt es sich um einen Angehörigen oder eine der Frau sehr nahe stehende Person. Auch nähere Angaben über den Wohnort der 37-Jährigen in Neukölln verweigerten die Ermittler "zum Schutz der Betroffenen".

Nachdem die Polizei die Information über das Verschwinden des Babys erhalten hatte, wurde die 37-Jährige in ihrer Wohnung von der Kripo aufgesucht. Erste Befragungen erhärteten die Befürchtungen, daraufhin schalteten die Kriminalbeamten ihre Kollegen von der Mordkommission im Landeskriminalamt ein, die erneute Verhöre der Frau unternahmen.

"Im Zuge der weiteren Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht, dass die 37-Jährige den Säugling unmittelbar nach der Geburt in eine Mülltonne geworfen hatte", teilte ein Polizeisprecher gestern Abend mit. Einzelheiten über diese Erkenntnisse nannte er jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht. Da die Mülltonnen in der Umgebung des Wohnortes der Verdächtigen bereits geleert worden waren, ließen die Ermittler sofort die Müllverbrennungsanlage in Britz stilllegen. Während die Arbeit dort ruhte, rückte ein Aufgebot von 80 Beamten der Bereitschaftspolizei an, um die zur Verbrennung bereitliegenden Abfälle aus dem Bezirk Neukölln gründlich zu durchkämmen.

Unterstützung bekamen die Polizisten von Suchhunden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit ihren Führern. Die gut geschulten Spürnasen, die Menschen sogar unter Haustrümmern riechen können, schnüffelten stundenlang im Müll. Aber sowohl die Vierbeiner als auch die Polizeibeamten fanden keine Spur von dem vermutlich getöteten Neugeborenen. Heute werden sie weiter suchen.

Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 21.10.2003

Freitag, 24. Oktober 2003

Suche nach totem Säugling ergebnislos eingestellt

Berlin (dpa/bb) - Die Polizei hat die Suche nach einem toten Säugling, der von seiner Mutter in eine Mülltonne gelegt worden sein soll, ergebnislos eingestellt. In den rund 270 Tonnen in Frage kommenden Hausmülls von der Deponie Schöneiche Plan sei das tote Kind nicht gefunden worden, teilte die Polizei am Freitag in Berlin mit. Eine weitergehende Eingrenzung der Suche sei nicht möglich. Eine 37-jährige Frau aus Neukölln hatte nach bisherigem Ermittlungen am 15. Oktober das Kind tot zur Welt gebracht und anschließend in den Hausmüll gelegt.

erschienen am 24.10.2003 um 17:30 Uhr
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