Presseberichte zu dem Einsatz Bilder zu dem Einsatz

Suche nach einer Säuglingsleiche im Müll

Einsatz- und Erfahrungsbericht zur Leichensuche am 20.10.03 bei der BSR:

Wir erhielten am 20.10.03 gegen Mittag eine Anfrage der Mordkommission, ob wir helfen könnten, die Leiche eines Neugeborenen im Müll zu finden.

Verschiedene Überlegungen mußten getätigt werden:

  • Welche Hunde und Hundeführer kämen infrage
  • Mit welcher Reaktion der Hunde ist zu rechnen, da unsere Hunde nur ausgebildet sind, lebende Menschen zu suchen.
  • Welche Absprachen sind mit der Polizei zu treffen.

Wir klärten mit der Polizei, daß unsere Hunde nur lebende Personen anzeigen, wir somit keine Gewähr geben können, daß wir die Leiche finden würden, wir aber bereit sind, die Suche zu unterstützen.

So wurde die Suche zum Abend hin angesetzt. Wir trafen uns um 18:30 Uhr im Kreisverband. Es waren 3 Teams, 2 Begleiter und 1 Einsatzleiter. Selbstverständlich war dann auch wieder unsere Versorgung vor Ort. Der Einsatzort war in Berlin-Britz in der Gradestraße auf dem Betriebshof der BSR.

Als wir ankamen waren schon zahlreiche Polizeifahrzeuge vor Ort. Der EL der Polizei und einige BSR-Mitarbeiter zeigten uns die Container mit Müll, die durchgesucht werden müßten.

Der Müll wurde auf eine Höhe von etwa 50 cm ausgebreitet, sodass die höchste Möglichkeit bestand, daß die Hunde Witterung aufnehmen könnten.

Erst jetzt wurde uns das Ausmaß des Einsatzes bewußt: Es sollten 11 Container mit zusammengedrücktem Müll durchsucht werden. Jeder Container hatte 9 Tonnen Inhalt. Für etwa 1/10 eines Containers benötigten unsere Hunde 2 Stunden intensiven Suchens. Es war nicht möglich, die Hunde einfach mal so schnell über den Müll zu führen.

Suchtaktik:
Wir entschlossen uns, die Hunde an der Leine über den ausgebreiteten Müll zu führen. Zuerst sollte sich ein Hund ausruhen und ein Zweiter suchte. Da dieses Verfahren viel zu viel Zeit in Anspruch nahm, wechselten wir unsere Taktik. Der Müll wurde in 2 Flächen eingeteilt, sodass 2 Hunde zeitgleich suchen konnten. Um eine höchstmögliche Verläßlichkeit zu erhalten, wurden die Flächen immer von beiden Hunden im Wechsel abgesucht.

Suchverhalten der Hunde:
Die Hunde suchten intensiv mit tiefer Nase. Jeder kann sich vielleicht vorstellen, was alles so im Müll landet. So hatte der eine oder andere Hund auch einmal etwas im Fang, weil er der Versuchung doch nicht widerstehen konnte. Trotz der Versuchungen durch Hühnerfleisch, Wurstreste, Brot, Joghurtbecher usw. arbeiteten die Hunde bis zum Schluß sehr gut.
Beide Beobachter, die nur die Reaktionen der Hunde analysierten, konnten unabhängig voneinander bei den Hunden immer die gleichen Stellen markieren, an denen menschliche Gerüche hafteten. So konnte man immer wieder der Polizei zeigen, daß die Hunde bei menschlichen Gerüchen wie Windeln, Bettdecken, Kleidung, Matratzen sich für einen aufmerksamen Beobachter auffällig verhielten.
Nach 3 stündiger Arbeit wurde der Einsatz von der Polizei abgebrochen. Die Hunde waren erschöpft.

Eine Übungssuche nach einem Polizisten brachte den Hunden ihren gewohnten Erfolg, nämlich das heißgeliebte Spielzeug. Sie waren sichtlich erleichtert, daß doch alles wieder seine Richtigkeit hatte und man auch etwas findet, wenn man sucht.

Als Fazit dieses Einsatzes wäre zu sagen: Man kann solche Einsätze mit einigen Hunden durchführen. Sie sollten aber nicht zur Regel werden oder die Hauptarbeit der Rettungshundestaffel ausmachen.
Wichtig ist bei diesen Einsätzen, ähnlich wie bei Trümmereinsätzen, daß Beobachter dabei sind, die die Hunde und deren Reaktionen kennen und deuten können.
Außerdem ist es wichtig für die Hunde, daß sie immer wieder aus dem Einsatzgeschehen herausgenommen werden und genügend Zeit zum Regenerieren bekommen.

Monika

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